Milben, Federlinge und Kalkbein bei Vögeln erkennen
Juckreiz, Unruhe in der Nacht oder borkige Krusten am Schnabel können auf Parasiten hinweisen. Bei Ziervögeln kommen vor allem die Rote Vogelmilbe, Federlinge und Grabmilben vor, die Räude und Kalkbein auslösen. Viele dieser Parasiten sind gut zu erkennen, wenn man weiss, wo man suchen muss. Die Behandlung gehört aber in tierärztliche Hände.
Welche Parasiten bei Vögeln vorkommen
Die Rote Vogelmilbe lebt nicht dauerhaft auf dem Vogel. Sie versteckt sich tagsüber in Ritzen, Spalten, Sitzstangen und Nistkästen und kommt nachts zum Blutsaugen. Federlinge sind kleine, flache Insekten, die im Gefieder leben und sich von Federteilen und Hautschuppen ernähren. Grabmilben bohren sich in die Haut. Bei Wellensittichen verursachen sie die Schnabelräude mit weisslichen, schwammig wirkenden Krusten an Schnabel, Wachshaut und Augen. Befallen sie die Beine, spricht man vom Kalkbein, das vor allem bei Kanarienvögeln und anderen Finken auftritt. Daneben gibt es Milben, die die Atemwege befallen, mehr dazu im Ratgeber Atemwegsprobleme.
Typische Anzeichen
- Unruhe und häufiges Putzen oder Kratzen, besonders nachts.
- Blasse Schleimhäute, Schwäche oder Gewichtsverlust bei starkem Befall mit Blutsaugern.
- Kleine Löcher oder ausgefranste Stellen in den Federn.
- Weisse bis graue, poröse Krusten an Schnabel, Wachshaut, Augenlidern oder Kloake.
- Verdickte, schuppige oder borkige Beine und Zehen, oft mit abstehenden Schuppen.
- Verformter oder zu schnell wachsender Schnabel.
So prüfen Sie Käfig und Vogel
- Legen Sie abends ein weisses Tuch über einen Teil des Käfigs und schauen Sie am frühen Morgen nach. Kleine rote oder dunkle Punkte können auf Rote Vogelmilben hinweisen.
- Kontrollieren Sie Ritzen, Enden der Sitzstangen, Halterungen und Nistkästen mit einer Taschenlampe.
- Schauen Sie bei Tageslicht ins Gefieder, vor allem an Flügeln und Rücken, und achten Sie auf Löcher in den Federfahnen.
- Betrachten Sie Schnabel, Wachshaut, Augen und Beine Ihres Vogels regelmässig aus der Nähe.
Häufige Ursachen und Risikofaktoren
Parasiten werden meist durch neue Vögel, gebrauchte Käfige, Nistmaterial oder Kontakt mit Wildvögeln eingeschleppt. Rote Vogelmilben können auch mit Kleidung oder Gegenständen aus Ställen und Vogelanlagen ins Haus gelangen. Grabmilben tragen viele Vögel unbemerkt in sich. Zu einem sichtbaren Befall kommt es oft erst, wenn die Abwehr geschwächt ist, etwa durch Stress, falsche Ernährung, andere Erkrankungen oder ungünstige Haltung. Ein Befall ist deshalb auch ein Anlass, die Haltungsbedingungen zu überprüfen.
Was Sie selbst tun können
Die Behandlung von Parasiten am Vogel gehört in die Tierarztpraxis. Welches Mittel geeignet ist und in welchem Zeitplan es angewendet wird, bespricht die Praxis mit Ihnen. Verzichten Sie auf Sprays, Öle oder Hausmittel, die Sie selbst auftragen. Viele davon sind für Vögel giftig oder verkleben das Gefieder. Gegen Kalkbein und Schnabelräude helfen auch keine Salben aus der Hausapotheke. Unterstützen können Sie die Behandlung durch gründliche Reinigung: Waschen Sie Käfig, Schalen und Zubehör heiss aus, ersetzen Sie Sitzstangen aus Naturholz sowie Nistmaterial und reinigen Sie die Umgebung des Käfigs. Werden Rote Vogelmilben festgestellt, müssen meist auch alle anderen Vögel im Haushalt mitbehandelt werden.
Wann zur Tierarztpraxis
Gehen Sie bald zur vogelkundigen Tierarztpraxis, wenn Sie Krusten, Federschäden oder nächtliche Unruhe bemerken. Sofort sollten Sie handeln, wenn der Vogel sehr schwach wirkt, blasse Schleimhäute hat, aufgeplustert am Boden sitzt oder nicht mehr frisst. Ein starker Befall mit Blutsaugern kann besonders bei Jungvögeln und kleinen Arten lebensgefährlich werden. Auch ein verformter Schnabel, der das Fressen erschwert, muss tierärztlich versorgt werden. Kürzen Sie Schnabel oder Krallen nicht selbst.
Vorbeugung und Zubehör
Neue Vögel sollten einige Wochen getrennt gehalten und vorher tierärztlich untersucht werden. Gebrauchte Käfige und Zubehör vor der Nutzung gründlich reinigen. Wählen Sie Käfige und Sitzstangen, die sich gut säubern lassen und wenige Ritzen haben. Ein Vogelbad fördert die Gefiederpflege. Passendes finden Sie unter Käfige & Zubehör.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich die Rote Vogelmilbe?
Die Milben sind tagsüber versteckt. Ein weisses Tuch über dem Käfig, das Sie am frühen Morgen kontrollieren, kann winzige rote oder dunkle Punkte zeigen. Auch Ritzen an Sitzstangen und Halterungen sollten Sie prüfen.
Ist Kalkbein ansteckend?
Die verursachenden Milben können zwischen Vögeln übertragen werden. Ob die anderen Vögel im Haushalt mitbehandelt werden, entscheidet die Tierarztpraxis.
Können Vogelmilben auf Menschen gehen?
Rote Vogelmilben können Menschen stechen und Juckreiz auslösen, leben aber nicht dauerhaft auf ihnen. Bei Hautbeschwerden wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Allgemeine Informationen, keine Diagnose und kein Ersatz für die tierärztliche Untersuchung. Bei Krankheitsanzeichen, Schmerzen, Atemnot, Vergiftungsverdacht oder Unsicherheit wenden Sie sich bitte umgehend an Ihre Tierarztpraxis oder den tierärztlichen Notdienst.







