Trübes Wasser im Aquarium: Wasserwerte und Wasserwechsel
Klares Wasser sagt nicht alles über die Wasserqualität aus, trübes Wasser aber fast immer etwas. Ob milchig weiss, grün oder gelblich: Jede Farbe hat typische Ursachen. Entscheidend für die Gesundheit der Fische sind unsichtbare Werte wie Ammoniak und Nitrit. Hier lesen Sie, was hinter der Trübung steckt, welche Werte Sie messen sollten und wie ein Wasserwechsel richtig gelingt.
Der Stickstoffkreislauf in Kürze
Fische scheiden Ammonium aus, und auch Futterreste und abgestorbene Pflanzenteile zerfallen dazu. Je nach pH-Wert liegt ein Teil davon als Ammoniak vor, das für Fische giftig ist. Nützliche Bakterien im Filter und im Bodengrund wandeln Ammonium zuerst in Nitrit um, das ebenfalls giftig ist, und danach in Nitrat. Nitrat ist deutlich weniger schädlich, sammelt sich aber an und wird durch Wasserwechsel und Pflanzen entfernt. Funktioniert dieser Kreislauf, bleiben Ammonium und Nitrit kaum messbar. Die Bakterien sitzen vor allem im Filtermaterial. Deshalb ist der Filter das Herz des Aquariums.
Die Einfahrphase
Ein neues Aquarium hat noch zu wenige dieser Bakterien. Sie müssen sich erst ansiedeln, was meist mehrere Wochen dauert. In dieser Zeit steigt zuerst das Ammonium, danach das Nitrit an, bevor beide wieder sinken. Diesen Anstieg nennt man oft Nitritpeak. Setzen Sie Fische erst ein, wenn Ammonium und Nitrit wiederholt nicht mehr nachweisbar sind, und dann nach und nach in kleinen Gruppen. Werden zu früh zu viele Fische eingesetzt, drohen Vergiftungen. Die Einrichtung eines neuen Beckens beschreibt der Ratgeber Aquarium einrichten für Anfänger.
Was die Trübung verrät
- Milchig weiss, oft kurz nach dem Einrichten oder nach einer grossen Reinigung: meist eine Bakterienblüte. Sie zeigt, dass das biologische Gleichgewicht noch fehlt oder gestört wurde.
- Grün: Schwebealgen, meist durch viel Licht, Sonne und Nährstoffe, siehe Algen im Aquarium.
- Gelblich bis bräunlich klar: Huminstoffe aus Wurzeln, Holz oder Laub. Das ist meist harmlos und für manche Fischarten sogar erwünscht.
- Grau und staubig direkt nach dem Befüllen: feine Partikel aus nicht gewaschenem Bodengrund. Sie setzen sich meist ab oder werden vom Filter erfasst.
- Trüb mit unangenehmem Geruch: Hinweis auf Fäulnis, etwa durch Futterreste oder ein totes Tier. Suchen Sie das Becken ab und messen Sie sofort die Werte.
Diese Wasserwerte sollten Sie kennen
- Ammonium/Ammoniak und Nitrit: sollten in einem eingefahrenen Becken nicht nachweisbar sein. Erhöhte Werte sind ein Alarmzeichen.
- Nitrat: sammelt sich an, sollte durch regelmässige Wasserwechsel niedrig gehalten werden.
- pH-Wert: zeigt, ob das Wasser sauer oder basisch ist. Wichtiger als ein bestimmter Wert ist, dass er zur Fischart passt und stabil bleibt.
- Karbonathärte (KH) und Gesamthärte (GH): bestimmen, wie stabil der pH ist und welche Fische sich wohlfühlen. Die Härte Ihres Leitungswassers erfahren Sie bei der Wasserversorgung Ihrer Gemeinde.
- Temperatur: täglich am Thermometer kontrollieren.
Wasserwechsel richtig machen
Als Faustregel gilt ein wöchentlicher Teilwasserwechsel von etwa einem Viertel bis einem Drittel des Wassers. Saugen Sie das Wasser mit einem Mulmsauger ab und nehmen Sie dabei den Schmutz vom Bodengrund mit. Das neue Wasser sollte ungefähr die gleiche Temperatur haben wie das Aquarienwasser. Leitungswasser ist in der Schweiz vielerorts gut geeignet; ob und wie es aufbereitet werden muss, hängt von der Region und den Fischarten ab, fragen Sie im Fachhandel nach. Reinigen Sie den Filter nicht gleichzeitig mit dem Wasserwechsel und nie unter heissem Leitungswasser, sondern spülen Sie das Filtermaterial in abgesaugtem Aquarienwasser kurz aus. So bleiben die nützlichen Bakterien erhalten. Ersetzen Sie nie das gesamte Wasser auf einmal.
Wann sofort handeln
- Fische schnappen an der Oberfläche nach Luft, atmen schnell oder liegen am Boden: sofort einen grösseren Teilwasserwechsel machen, Belüftung verstärken, nicht füttern und die Werte messen.
- Nitrit oder Ammonium sind messbar: Wasserwechsel durchführen, Fütterung stark reduzieren und täglich nachmessen.
- Mehrere Fische sterben kurz nacheinander: Lassen Sie sich beraten, bei kranken Fischen hilft eine Tierarztpraxis mit Erfahrung bei Zierfischen.
Hilfreiches Zubehör
Wassertests für Nitrit, Ammonium, Nitrat, pH und Härte, ein gut lesbares Thermometer, ein Mulmsauger mit Schlauch sowie Eimer, die nur für das Aquarium verwendet werden, erleichtern die Pflege. Ein ausreichend grosser Filter mit Ersatzmaterial gehört zur Grundausstattung. Passendes finden Sie unter Technik & Beleuchtung und Zubehör & Reinigung.
Häufige Fragen
Warum ist mein Aquarium nach dem Wasserwechsel trüb?
Oft wurde dabei Mulm aufgewirbelt, oder das Filtermaterial wurde zu gründlich gereinigt und eine Bakterienblüte entsteht. Meist klärt sich das Wasser innerhalb weniger Tage, solange die Werte stimmen.
Wie lange dauert es, bis ein Aquarium eingefahren ist?
In der Regel mehrere Wochen. Verlassen Sie sich nicht auf ein festes Datum, sondern auf die Messung: Erst wenn Ammonium und Nitrit wiederholt nicht nachweisbar sind, ist das Becken bereit.
Wie oft sollte ich die Wasserwerte messen?
In der Einfahrphase und nach Problemen häufig, etwa alle paar Tage. In einem stabilen Becken genügt meist eine Messung alle ein bis zwei Wochen sowie immer dann, wenn Fische auffällig wirken.
Kann ich das Aquarienwasser in den Garten giessen?
Abgesaugtes Aquarienwasser eignet sich in der Regel zum Giessen von Zier- und Gartenpflanzen. Wurden Mittel ins Becken gegeben, sollten Sie darauf verzichten.
Allgemeine Informationen, keine Diagnose und kein Ersatz für die tierärztliche Untersuchung. Bei Krankheitsanzeichen, Schmerzen, Atemnot, Vergiftungsverdacht oder Unsicherheit wenden Sie sich bitte umgehend an Ihre Tierarztpraxis oder den tierärztlichen Notdienst.







